Die Geschichte der Apple Lisa

Apple führte mit der Lisa im Jahre 1983 und dem Macintosh 1984 die Graphical User Interface (GUI) auf dem PC-Massenmarkt ein. Der Macintosh ist von den beiden sicherlich der bekanntere PC. Der Vorgänger, die Apple Lisa, war von Januar 1983 bis 1984 auf dem Markt. Sie war der erste PC, der außerdem noch über eine Maus verfügte.

Als Prozessor kam der Motorola 68000 mit 5 MHz und 16-Bit-Datenbus zum Einsatz. 512 KB Ram waren auf die Hauptplatine aufgelötet. Optional war er auf bis maximal 1 MB erweiterbar. Als Diskettenlaufwerke waren zwei 5.25-Zoll-Laufwerke mit jeweils 860 KB Kapazität vorhanden. Eine Festplatte mit einer Maximalgröße von 10MB konnte optional nachgerüstet werden. Als Betriebssystem wurde Lisa OS verwendet. Die Bedeutung des Namens "Lisa" ist nicht geklärt. Nach offizieller Lesart steht "Lisa" für "Local Integrated Software Architecture". Es wird jedoch vermutet, dass Steve Jobs Lisa nach seiner unehelichen Tochter benannt hat.

Die Lisa war mit knapp 10000$ äußerst teuer und war kommerziel gesehen ein Misserfolg. Ein Faktor dafür war dabei die nicht ohne Probleme verlaufene Entwicklungszeit. Apple Lisa hatte von allen Apple-Computern die längste Entwicklungszeit. Im Sommer 1979 begannen die Planungen, als Steve Jobs, Mitbegründer von Apple, beschloss, die nächste Generation von Computern entwickeln zu wollen. Seine Vorgaben waren dabei ein System mit einem 16-Bit-Prozessor und Innovationen im Design und Benutzeroberfläche. Dabei sollte das System ursrünglich für 2000 Dollar erhältlich sein sollen und mit einer Reihe Büroanwendungen ausgestattet werden, damit sie sich als erste Wahl für Geschäftskunden auf dem Markt etabliert.

Ken Rothmueller, der für die Hardware zuständig war und Bill Atkinson als Softwareleiter entwickelten Ende 1979 den ersten Prototyp. Er lief auf einen damals brandneuen 68000-Mikroprozessor von Motorola und hatte ein klobiges Gehäuse mit eingebauter Tastatur und die damals sehr vornehme grün-schwarze Bildschirmdarstellung, und zum ersten Mal in der Geschichte einen Graphical User Interface. Allerdings war Steve Jobs nur mäßig von den entstandenen Prototyp zufrieden, so dass er sich nach einem Kooperationspartner umsaß. Dabei entstand ein Vertrag mit der Firma Xerox, die damals als wichtigster Innovator im Großrechnerbereich galt. Apple erhielt dabei Einblicke in Xerox' Forschungszentrum, das Xerox Palo Alto Research Center. Im Gegenzug investierte Xerox eine Million Dollar in die damals noch nicht frei erhältlichen Apple-Aktien. Im Zuge der Kooperation mit Xerox, die an einer Weiterentwicklung des Xerox Alto, eines 1973 auf den Markt gekommenen Großrechners arbeiteten, erhielt die Apple Lisa ein damals innovatives Eingabegerät: die Maus, die die Bedienung der GUI völlig neue Möglichkeiten bot. So wurde die Arbeit durch die Kombination der Maus und der GUI wesentlich komfortabler und vor allem effizienter: Durch die Verwendung von Icons bzw. Menüleiste waren nun direkt wichtige Applikationen bzw. Funktionen anklickbar, schnelles Wechseln von Fensterinhalten bzw. laufenden Applikationen durch überlappend darstellbare Fenster, die man auch in die gewünschte Position bewegen konnte. Alles Funktionen, die heutzutage nicht mehr wegzudenken sind. Zusätzlich erhielt die Lisa eine schwarz weiße Bildröhre anstatt des grün schwarzen. Bei der Umsetzung gerieten allerdings die Kostenaspekte völlig in den Hintergrund.

Ab dem September im Jahre 1980 verliefen die arbeiten besonders schleppend, nachdem aufgrund einer Reorganisation Steve Jobs zum Vorsitzenden des Apple-Verwaltungsrates berufen wurde und sich nicht mehr persönlich am Lisa Projekt arbeiten konnte. Probleme gab es dabei sowohl aus software- als auch hardwaretechnischer Sicht. So erfolgte die Markteinführung erst im Mai 1983.

Die öffentliche Präsentation der Lisa fand im Januar 1983 statt, stand jedoch unter einem denkbar ungünstigen Vorzeichen: Steve Jobs hatte, nachdem er das Lisa-Team "verloren" hatte, die noch junge Macintosh-Abteilung übernommen und den ursprünglich als 8-Bit-Rechner geplanten Macintosh so umkonzipiert, daß er nun ebenfalls über den Motorola 68000-Mikroprozessor verfügte, ebenfalls eine grafische Benuzteroberfläche mit Maussteuerung besaß, nur 2000 Dollar kosten sollte (die Lisa sollte mittlerweile 9995 Dollar kosten) und nicht zur Lisa kompatibel war. Steve Jobs kam nicht umhin, bei der Präsentation der Lisa dem staunenden Publikum zu erzählen, daß in Kürze auch der Macintosh erscheinen würde, der über alle Fähigkeiten der Lisa verfügen sollte, dafür aber wesentlich preiswerter sein würde.

Die Verkaufszahlen waren dabei eher bescheiden. 1983 wurden nur 50.000 Geräte verkauft. Dies lag jedoch auch daran, dass Steve Jobs bei seiner Präsentation der Apple Lisa eher fazniniert über den in naher Zukunft erscheinenden Macintosh sprach. Dieser sollte wesentlich preiswerter, alle Möglichkeiten der Lisa verfügen, allerdings nicht kompatibel zur Lisa sein.

Zwar erschien im Januar 1984 erschien eine modifizierte Version, die Lisa 2/10, die über mehr Arbeitsspeicher, eine größere Festplatte sowie über das 400K fassende 3 1/2 Zoll-Diskettenlaufwerk des Macintosh verfügte und Anfang 1985 wurde die Lisa 2/10 dann in "Macintosh XL" umgetauft, doch diese Maßnahmen steigerten die Verkaufszahlen auch nocht sonderlich. Im April 1985 wurde die Hardwareproduktion und im Januar 1986, als insgesamt etwa 100.000 Lisas verkauft worden waren, schließlich auch der Verkauf eingestellt. Die letzten 2700 unverkauften Lisas wurden in einem Acker im US-Bundesstaat Utah vergraben, damit Apple sie von der Steuer abschreiben konnte.

Auch wenn sie kommerziel ein Misserfolg war, darf man sie aufgrund ihrer Innvationen nicht vergessen. Selbst der Macintosh mußte bis zum Macintosh Plus (1986) reifen, bis er denselben Komfort bot, den man mit der Lisa schon 1983 hatte, und bei IBM-Kompatiblen dauerte es noch ein paar Jahre länger.

Links

www.kefk.net

www.gaby.de

www.friauf.de

www.gaby.de

www.computermuseum-muenchen.de

www1.informatik.uni-jena.de

www.computerbase.de

Apple Lisa Emulator

Lisa Emulator Project