User Interfaces for People with Disabilities
von Thorsten Vobl
- Einleitung
- Analyse der betroffenen Benutzergruppen
- Design Prinzipien
- Verschiedene Beeinträchtigungen und Lösungsansätze
- Zusammenfassung
Einleitung
Computer spielen in allen Bereichen unseres Lebens mittlerweile eine so grosse Rolle, dass ein Leben ohne Computer nicht mehr möglich erscheint. Doch während sich für den „normalen“ Benutzer immer neue und komfortablere Wege ergeben die Kommunikationsfähigkeit als auch die Informationsbeschaffung und das Arbeitsleben zu verbessern, ist es gerade für Benutzer die aufgrund einer sensorischen, motorischen (oder technischen) Behinderung von vorneherein Probleme haben sich in der Gesellschaft zu behaupten und durch Computer enorme Vorteile erwarten könnten oft nicht möglich grafische Benutzer Oberflächen die für Benutzer ohne Behinderungen konzeptionisiert wurden zu benutzen. Angesichts sowohl der wachsenden Bedeutung von Computern als auch der wachsenden Zahl von Benutzern die potentiell zur Gruppe der Benutzer mit Behinderungen zuzurechnen sind, (demographische Entwicklung) kommt der Erschaffung von User Interfaces, die diese Benutzergruppe mit einbeziehen, eine wachsende Bedeutung und Verantwortung zu. Die Entwicklung solcher Interfaces muss neben der Entwicklung geeigneter Design Prinzipien natürlich auch die Kenntnis der möglichen Hardware und die Zusammenarbeit mit den Entwicklern dieser beinhalten.Analyse der betroffenen Benutzergruppen
Zur Zielgruppe für spezielle User Interfaces gehören alle Personen die aufgrund bestimmter Einschränkungen nicht die für den normalen User bestimmten Programme benutzen können. Neben der Gruppe von Personen mit verschiedensten Behinderungen ist hier vor allem die Gruppe der alten Menschen hervorzuheben, da diese durch ihre wachsende Zahl und ihre wirtschaftliche Bedeutung die Dringlichkeit der Entwicklung geeigneter Software besonders forciert.Motorisch
Zu dieser Gruppe gehören alle Personen die aufgrund von motorischen Problemen nicht in der Lage sind mit der Maus präzise Buttons anzuklicken, oder nicht mit einer normalen Tastatur arbeiten können. Neben Personen die an Lähmungen oder dergleichen leiden gehören in diese Gruppe auch Benutzer die an alterungsbedingtem Problemen leiden. (Zittern, Rheuma etc)Sensorisch
Betroffene Benutzer die nicht in der Lage sind oder Probleme haben das Interface und die Veränderungen darin sensorisch wahrzunehmen. Hierzu zählen vor allem Sehschwäche, Blindheit, Farbblindheit wie z.B. Rot-Grün Schwäche, außerdem Schwerhörigkeit oder Taubheit. Auch diese Art von Problemen häuft sich mit dem Alter der Benutzer.Kognitiv
Beinhaltet alle Benutzer die aufgrund ihrer geistigen Kapazitäten oder Unkenntnis von Computern im Allgemeinen nicht in der Lage sind komplexen Vorgängen zu folgen oder große Mengen an Information auf einmal zu verarbeiten.Technisch
Zu dieser Gruppe zählen alle Benutzer die aufgrund spezieller technischer Vorraussetzungen der Software oder aufgrund von technischen Problemen wie langsamer Internetverbindung oder veraltete Rechner sowie Software nicht in der Lage sind das User Interface wie vorgesehen zu benutzen. Wenn man hört "Benutzer mit Behinderungen" denken viele an eine kleine Randgruppe, für die man eher aus Gleichberechtigungsgründen als aus echtem Interesse etwas entwickelt. Doch Studien [accessibility_statistics] gehen davon aus, dass bis zu 25% der potentiellen Softwarebenutzer von einem oder mehreren dieser Probleme betroffen sind, wobei etwa 12% auf Menschen mit Behinderungen und 13% auf Benutzer mit technischen Problemen entfallen. Diese Zahl macht deutlich dass Accessibility keinesfalls ein Randgruppenproblem ist sondern mehr Leute betrifft als man denkt. In letzter Zeit sind auch immer mehr Firmen dahinter gekommen dass hinter dieser Gruppe auch viel Geld steckt, auch haben die Regierungen entsprechende Gleichstellungsgesetze erlassen um den Prozess zu förden.Design Prinzipien
Um den Anforderungen die das Erschaffen von allumfassenden Benutzeroberflächen die sowohl beeinträchtigte als auch nicht beeinträchtigte Benutzer zufrieden zu stellen wurden Design Prinzipien wie z.B. „User Interfaces for all“ [stephanidis] entwickelt. Das Entwickeln von Software die all den verschiedenen Benutzergruppen mit ihren spezifischen Problemen gerecht wird ist natürlich um einiges komplexer und teurer, da neben der Beachtung der unterschiedlichen Problemgruppen auch beachtet werden muss dass die normalen Benutzer in der Benutzung der Software nicht eingeschränkt werden. Dem Benutzer die Möglichkeit zu geben die Software an seine Bedürfnisse anzupassen ist zwar einerseits für Benutzer die dazu in der Lage sind eine sehr praktische Idee, andererseits kann dies schnell dazu führen ein Programm mit Funktionen zu überlagern und so die Benutzer erneut vor Probleme zu stellen. Aufgabe ist also, Software zu entwickeln die sich möglichst selbstständig an ihre Benutzer anpasst und andererseits für Benutzer die keinerlei Hilfe benötigen möglichst komfortabel zu bedienen ist. Solche Software läuft natürlich schnell Gefahr zugunsten der Funktionalität das Design zurückzunehmen, die Herausforderung für die Designer liegt also gerade darin Oberflächen zu designen die gut aussehen und quasi im Hintergrund jede Menge an intelligenten Hilfstechnologien bieten. Die Design Prinzipien von „Interfaces for all“ beinhalten zuallererst Prinzipien die für das Design von User Interfaces immer gelten, wie Konsistenz und Klarheit, also Menüs übersichtlich und klar zu strukturieren und Dialoge immer gleich aufzubauen, um das Verständnis der Software zu erleichtern und die Benutzung schneller erlernbar zu machen. Obwohl diese Prinzipien beim kreieren von Benutzeroberflächen immer gelten, sind sie doch beim Designen von allumfassenden Benutzeroberflächen besonders wichtig, da unübersichtliche Programmstrukturen und inkonsistente Abläufe die besonderen Benutzergruppen deutlich mehr beeinträchtigen als gewöhnliche Benutzer. Die besonderen Designprinzipien betreffen vor allem die Aufbereitung und Verfügbarkeit von Information, sowie die Variabilität des Programms. Da die verschiedenen Benutzergruppen und ihre spezifischen Probleme sehr vielfältig sind, ist es wichtig die Oberfläche möglichst flexibel zu gestalten, was Ein- und Ausgabe angeht, um zB die Tastatur durch eine Braille Tastatur und den Bildschirm durch einen Screenreader zu ersetzen. Gleichzeitig ist es wichtig Informationen auf verschiedene Art zur Verfügung zu stellen, also entweder die Information auf verschiedene Arten anzubieten, also Text visuell, als Ton und als taktile Braille Version zur Verfügung zu stellen, als auch Information in verschiedenen Formaten abzuspeichern und diese gegebenenfalls durcheinander zu ersetzen, also Bilder alternativ auch als Text zur Verfügung zu stellen, und dann die benötigte Version zu verwenden. Eine weitere wichtige Fähigkeit der Oberfläche muss die leichte Anpassbarkeit der Darstellung an die Benutzerbedürfnisse sein, Eigenschaften wie Schriftgröße und Farben müssen leicht einstellbar sein. Des Weiteren ist wichtig das die Oberfläche möglichst komfortabel für alle Benutzer zu bedienen und die Benutzung möglichst leicht zu erlernen ist. Die Schwierigkeit hier liegt darin ein gutes ansprechendes Design der Oberfläche zu kombinieren mit völlig verschiedenen Hilfsfunktionen für verschiedene Benutzergruppen, die zusätzlich den unbeeinträchtigten Benutzer nicht besonders beeinflussen sollen.Verschiedene Beeinträchtigungen und Lösungsansätze
Motorisch
Für Personen die motorisch nicht in der Lage sind die Tastatur oder Maus wie vorgesehen zu benutzen, gibt es verschiedene Ansätze dieses Problem zu umgehen. Einerseits hilft es die Oberfläche großzügig anzulegen, die Knöpfe und sonstige anklickbare Flächen möglichst groß zu gestalten um das Anklicken zu erleichtern. Des Weiteren kann man einen Umgebungsscanner einbauen, der versucht Fehlklicks auf einen Button in der Umgebung umzulenken, im komplexen Menüs ist dies wohl nicht besonders viel versprechend, kann aber durchaus sinnvolle Einsatzszenarien haben, der Vorteil liegt auch darin das ein Benutzer der sich nicht verklickt nichts davon merkt und das Design der Oberfläche nicht darunter leidet. Andere Verfahren, die mehr von der Hardwareseite kommen sind Geräte wie der Eye-Tracker und ähnliche optische Mausersätze bei denen mittels physikalischer Verfahren die Bewegung der Augen oder des Kopfes in Bewegung des Mauscursors umgesetzt wird. Solche Systeme sind eifrig umforscht und im Moment noch ziemlich teuer, aber sehr viel versprechend. Eine weitere Technologie die aber noch in den Kinderschuhen steckt ist die Steuerung des Computers mittels Gedanken zu steuern, primitive Bewegungen in einer Ebene sind bereits möglich, allerdings wird es, falls es überhaupt jemals möglich sein wird, wohl noch Jahre dauern diese Technologie einsatzbereit zu bekommen.Sensorisch
Für Benutzer mit Sehschwächen oder Sehstörungen wie Farbschwächen ist es wichtig das die Software Funktionen wie Schriftvergrößerung, Bildschirmlupe oder Farbindividualisierung zulässt, außerdem ist es ratsam sich bei der Konzeption nicht auf bestimmte Textfarben oder Kontraste zwischen Farben zu verlassen. Für blinde Benutzer ist es wichtig dass die Oberfläche zu speziellen Ein- und Ausgabegeräten kompatibel ist, wie eine Braille Tastatur und entsprechende taktile Ausgabe. Hierbei ist zu beachten Texte nicht zu lang zu gestalten da Braille Schrift viel Platz braucht. Weiterhin ist es möglich auch Grafiken so darzustellen das sie ertastbar werden allerdings ist auch hier der Umfang der möglichen Verwendbarkeit beschränkt. Es gibt versuche mit taktilen Touchscreens, d.h. der Bildschirm reagiert auf die Eingaben, z.B. wenn man auf der Benutzeroberfläche einen Button drückt spürt man dies auf dem Touchscreen. Die andere Möglichkeit außer taktiler Informationsverarbeitung ist der Einsatz von Sprachsystemen, entweder mit gleichzeitiger Ein- und Ausgabe oder nur Ausgabe und Eingabe weiterhin mit Braille Tastatur. Der Vorteil hierbei liegt darin dass sprechen viel flexibler und schneller ist als eine Tastatur. Bei der Konzeption der Oberfläche ist bei beiden Methoden darauf zu achten, nicht zu viele Informationen auf einmal an den Benutzer weiterzugeben, um ihn nicht zu überlasten, andererseits die benötigten Informationen passend aufzubereiten. Zu beachten ist, die Struktur an die Verwendung von Screenreadern anzupassen, da diese mit verschachtelten Strukturen wie z.B. Frames oder Tabellen große Probleme haben. Weiterhin sollte man nicht zu viele Bilder verwenden, da diese auch mit erklärendem Alternativtext wenig aussagekräftig sind. Für Benutzer die Probleme mit der Audio Wahrnehmung haben ergeben sich nicht so gravierende Probleme, da auf Audio Darstellung meistens nicht so viel Wert gelegt wird, wenn die zu kreierende Benutzeroberfläche doch viel durch Audio darstellen soll, kann man alternativ eine Text Version anbieten, die man dann optimieren kann für visuelle Darstellung.Kognitiv
Hier gibt es keine speziellen Methoden, hier sind auch die Probleme der Benutzer so individuell dass eine perfekte Lösung nur schwer vorstellbar scheint. Generell ist darauf zu achten die Oberfläche so einfach und klar zu strukturieren wie möglich, Menüs und Buttons unmissverständlich zu beschriften und anzuordnen, die Anordnung möglichst analog beizubehalten um die Benutzung der Software so weit wie möglich zu vereinfachen und den Lerneffekt zu förden. Ausserdem kann es praktischer sein erklärende Bilder und Icons zu verwenden als erklärende Texte, da Bilder viel einfacher zu verstehen sind.Technisch
Lösungsansätze hier sind möglichst viele Voraussetzungen der Software automatisch bei der Installation zu prüfen und zu beheben, bzw. den Aufwand und benötigte Vorkenntnisse möglichst zu reduzieren. Weiterhin kann es hilfreich sein eine „Schmalspur Version“ der Oberfläche für schwache Rechner oder langsame Internetverbindungen mitzuliefern, in der visuelle Effekte und Medien reduziert sind.Zusammenfassung
Die große Zahl der betroffenen Personen zeigt dass es sich auch außerhalb von Gesetzen zur Gleichstellung lohnt seine Benutzeroberflächen möglichst umfassend zu designen um eine möglichst große Zahl von Benutzern anzusprechen und nicht eine große Zahl an Kunden schon bei der Konzeption auszuschließen. Viele Probleme eingeschränkter Benutzer lassen sich durch ein gutes und Vorrausschauendes Design und Konzept, das die Konzeption klar von der hardwaretechnischen Realität trennt und flexibel mit vielen Ein- und Ausgabegeräten funktioniert ausschalten ohne dass das grundlegende Design darunter leidet. Wichtig ist auf jeden Fall die Oberfläche gründlich mit Testpersonen aus der betroffenen Benutzergruppe zu testen, und eventuell sogar mehrere Versionen zu programmieren, falls sich abzeichnet dass man nicht alle Funktionen in einer sinnvollen Form unterbringen wird. Generell wird man durch eine Oberfläche die wirklich umfassend programmiert ist Anerkennung gewinnen, weil es einfach einen guten Eindruck macht. Die Forschung in Technologien die eingeschränkte Benutzer unterstützen zeigt das dies ein wichtiges Anliegen der heutigen Zeit ist.Quellen:

